Lichtnebel

Die Sonne bescheint den Novembermorgen, und der herbstgoldene Park vor meinem Fenster ist von Licht und Nebel umschlossen, während sich das restliche Bild bereits klar und kantig zeigt; Laternen, Dächer, Kirchturm.
Das ist so ein Augenblick, wo ich mich direkt zwischen die dichten Bäume schreiben will, weil dort etwas Geheimnisvolles lauert, was sich mir erzählen will, dem ich mich Wort für Wort an die Fersen heften kann, um seine Geschichte zu ergründen. Wenn ich jetzt in den tatsächlichen Tag hinausginge, würde da kein Nebel mehr zu sehen sein, nur noch hier aus meiner Perspektive ein anziehendes  milchiges Leuchten, das sich ein paar Momente später aufgelöst und sein Geheimnis mitgenommen haben wird.
So ist es auch mit der Kreativität, die man sich zwar antrainieren kann, aber diese besonderen Momente, die sich wie eine zeitweilige Tür öffnen, sollte man nutzen und sei es nur zwei, drei Sätze lang, denn die werden es möglicherweise schaffen, einen Teil der gesichteten Magie einzufangen. Vielleicht sind es – für sich genommen – recht gewöhnliche Sätze inmitten einer Geschichte, aber beim Lesen haben wir gar nicht gemerkt, dass wir ein Tor passiert haben, das nur eine Idee lang in uns aufsteigt, nebelig golden leuchtet und etwas Bedeutungsvolles verspricht, weshalb wir weiterlesen oder schreiben. Weil wir dem Versprechen folgen müssen, wohin es uns auch führen mag.

 

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