Einander lesen

Für mich als begeisterte Literaturliebhaberin war es ein geradezu romantischer Anblick: ein älterer Herr mit weißem Hemd und Anzugjacke, der auf einer Parkbank sitzt und liest. Ich sah ihn oft, manchmal stand eine Flasche Wasser neben ihm oder er aß etwas. Ich fühlte mich inspiriert, es ihm gleichzutun – es erinnerte mich daran, dass ich [...]

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Bilder sammeln

In Zeiten, in denen der Alltag aufschreit, ich allerhand Termine außer der Reihe habe, verliere ich schnell meinen Tagesrhythmus und störe somit das empfindliche Gleichgewicht der freien Schreibzeit. Zum Korrigieren, Lektorieren kann ich mich immer bringen, denn vor mir wartet bereits ein Gerüst, fertige Sätze, die meinen Gedanken Halt geben. Ähnlich kann es auch in [...]

Lichtnebel

Die Sonne bescheint den Novembermorgen, und der herbstgoldene Park vor meinem Fenster ist von Licht und Nebel umschlossen, während sich das restliche Bild bereits klar und kantig zeigt; Laternen, Dächer, Kirchturm. Das ist so ein Augenblick, wo ich mich direkt zwischen die dichten Bäume schreiben will, weil dort etwas Geheimnisvolles lauert, was sich mir erzählen [...]

O Mittelmaß, du kleines Luder!

Ich bin Schreiberin aus tiefstem Herzen, und obwohl ich mit meinen Texten und Autorendasein Öffentlichkeit anstrebe, bin ich gleichsam jemand, der im Leben auch gern Hintergrund-Deko spielt. Wie so oft bediene ich mich fast ausschließlich aus dem Pool der Extreme, was selten zusammenpasst, aber immerhin für eine überraschend unruhige Note sorgt. Ständig wird man aufgefordert, [...]

In den Fluss

Sommerregenmorgen – ich schöpfe Worte aus einem Gewässer, das ich weder sehen noch seine Breite und Tiefe verstehen kann. In einer Hörmeditation sagte der Psychologe Rüdiger Dahlke, dass der erste aufsteigende Gedanke zu jedweder Frage von großer Bedeutung sei. Und irgendwie ist es beim Schreiben für mich genauso; gerade hier, wo ich mir nicht zurechtlegen [...]

Rhythmus ist ein Tänzer

Diese Übersetzung eines Songtitels aus den Neunzigern erfreut mich immer wieder – ich kann noch so oft darüber meditieren, aber irgendwie bleibt die Aussage sinnfrei. Insofern kann man diesen Blanko-Satz ganz hervorragend als Floskel in den Alltag integrieren. Gut anwendbar bei Mitmenschen in Lebenskrisen; man kann betroffen den Kopf schütteln und in nachdenklichem Ton diesen [...]

Im Dunkel der Wälder

Nach-dem-Mittagessen-Stimmung, Sonne vor dem Fenster, die gegen einen Vorhang prallt. Im Halbdunkeln liege ich in meinen Gedanken, greife in die schattenhafte Kulisse und versuche, Worte an Land zu ziehen, dem Tag einen geschriebenen Sinn zu geben. Früher habe ich immer drauflos geschrieben, bin ganz den Worten gefolgt, die sich durch die Mauern und Grenzen meiner [...]